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Dienstag, April 16, 2024
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Das Archäologische Nationalmuseum von Athen

Besucher, die die griechische Geschichte erleben wollen, sind im Archäologischen Nationalmuseum von Athen goldrichtig. Das Museum richtet sich nicht nur an Freunde der Archäologie, sondern bietet auch Laien Einblicke in verschiedene Zeitepochen. Die Exponate des Museums stellen eine Zeitreise dar, bei der Gäste durch die ausgestellten Objekte nicht nur Eindrücke aus einer Zeit, in der noch die Götter herrschten, erhalten, sondern vieles über die wechselvolle Geschichte Griechenlands erfahren. Meine Tipps für die Besichtigung inkl. aller praktischen Infos (Eintritt, Öffnungszeiten, usw.) findet ihr hier in diesem Artikel.

Geschichte des Archäologischen Museums

Die Gründung des Museums erfolgte im Jahr 1829. Es handelte sich um das erste Museum des neu gegründeten griechischen Staates, nachdem dieser sich in einem Unabhängigkeitskampf vom Osmanischen Reich loslösen konnte. 

Der ursprüngliche Hauptsitz lag in der ersten Hauptstadt Griechenlands, Ägina. Nachdem die griechische Hauptstadt nach Athen verlegt wurde, erfolgte 1834 der Umzug des Museums. 

Es stellt heute eines der wichtigsten Museen der Welt und gleichzeitig das größte archäologische Museum Griechenlands dar. Es steht für Kulturerbe und Antike, welche bei der Entstehung des griechischen Staates eine besondere Rolle spielten. 

Archäologisches Nationalmuseum Athen
Lucretius, GFDL, via Wikimedia Commons

Hinzu kam die Bildung einer griechischen Identität, die sich ab dem 18. Jahrhundert als Ergebnis einer Bewegung etablierte. Das Museum symbolisiert die Werte und Prinzipien des antiken Griechenlands und die griechischen Ideale wie Demokratie und Freiheit.

Das Gebäude wurde von Ludwig Lange entworfen und vom archäologischen Verein durch viele Spenden finanziert. Der Baubeginn war 1866. 1874 wurde das Bauwerk eingeweiht und 1881 und 1885 durch die beiden Seitenflügel erweitert.

Was bietet das Museum?

Besucher erleben in einem einzigen Museum die Geschichte Griechenlands. Sie umfasst Zeitepochen, wie die neolithische, kykladische und mykenische Periode. Es folgen klassische, römische und hellenistische Epochen und danach die byzantinische, venezianische und osmanische Zeit. Die Sammlung endet schließlich in der Revolution und der Moderne Griechenlands.

Gäste erwartet von außen eine neoklassizistische Fassade des 19. Jahrhunderts. Das Innere des Gebäudes beherbergte einst das hellenische Parlament und verfügt heute über mehr als 8.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit mehr als 20.000 Artefakten – die ältesten davon stammen aus dem Jahr 1700 vor Christus.

Archäologisches Nationalmuseum Athen
Jean Housen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die meisten Exponate wie Statuen, Miniaturen, Grabmale, Werkzeuge aus Bronze sowie Waffen stammen aus Ausgrabungen des 19. Jahrhunderts. Hinzu kommt eine Bibliothek mit mehr als 20.000 Bänden.

Los geht’s es mit prähistorische Antiquitäten der neolithischen Zeit sowie der Bronzezeit. Exponate der ägäischen Inseln und des Festlandes decken eine Zeitepoche vom 7. Jahrtausend vor Christus bis etwa 1.050 vor Christus ab. (Säle 3 – 6 und 48 ).

Weiter geht es mit der Epoche von etwa 700 vor Christus bis zum 5. Jahrhundert nach Christus dargestellt. Die beliebtesten Kunstformen dieser Zeit waren Skulpturen griechischer Heiligtümer, öffentlicher Gebäude und Nekropole. (Hallen 7 – 35).

Dieser Bereich umfasst die archaische und hellenistische Periode bis zum 1. Jahrhundert nach Christus. Hinzu kommt die römische Zeit bis zum 5. Jahrhundert. Schwerpunkt der griechischen Bildhauerkunst bildete das klassische Zeitalter des 4. – 5. Jahrhunderts vor Christus. Unter Perikles und vielen anderen Bildhauern wurden in dieser Zeit zahlreiche Monumente erschaffen.

Archäologisches Nationalmuseum Athen
George E. Koronaios, CC0, via Wikimedia Commons
Archäologisches Nationalmuseum Athen
Giovanni Dall’Orto., Attribution, via Wikimedia Commons

Die Säle 36 – 39 umfassen die Bronzesammlung, die zu den feinsten ihrer Art zählt. Dieser Bereich beinhaltet zahlreiche Statuen mythologischer Geschöpfe. Höhepunkte bilden Waffen des Schiffswracks von Antikythera und der berühmte Mechanismus.

Archäologisches Nationalmuseum Athen
Zde, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Zu guter Letzt warten auf euch noch mehr als 6.000 Objekte, bestehend aus Vasen und Kleinkunst. Sie umfassen die Epoche zwischen dem 11. und 4. Jahrhundert vor Christus. Besucher erfahren Wissenswertes über die Völkerwanderung, mykenische Einflüsse und die Gründung des griechischen Stadtstaates. Details über den Sport, wie die Panhellenischen Spiele von Olympia, die Phytischen Spiele Delphis, die Psthmischen Spiele Korinths und die Nemischen Spiele des Peloponnes runden die Ausstellung ab. (Säle 49 – 57)

Ebenfalls zu erwähnen: die ägyptische Antiquitäten verschiedener Dynastien des Niltals und Ägyptens. (Säle 40-41) sowie der Saal 64, mit 850 Exponaten eine Darstellung der zypriotischen Geschichte von der Bronzezeit bis zu den Römern.

Die Top 5 Highlights des Museums

#1 Reiter vom Kap Artemision

Der „Reiter vom Kap Artemision“ wurde von einem unbekannten Bildhauer etwa um 140 vor Christus geschaffen. Seine Entdeckung erfolgte zwischen 1928 und 1938 im Meer vor dem Kap Artemision. Das Monument stellt einen zwölfjährigen Jungen dar, der ohne einen Sattel reitet. Der Junge gibt dem Pferd mit nackten Füßen die Sporen und hebt mit seinem linken Arm die Zügel.

Gleichzeitig peitscht er mit seinem rechten Arm und versucht, sozusagen auf den letzten Metern noch einen Schlusssprint zu kontrollieren. Das Pferd selbst richtet seinen Blick mit hinten angelegten Ohren und angespannten Muskeln seinen Blick nach vorne. Das gesamte Monument drückt Bewegung aus und symbolisiert die Herrschaft des Menschen über die Natur. Es unterscheidet sich von allen anderen bisher dargestellten Reitern. Als das Werk entstand, stand Griechenland unter Fremdherrschaft, weshalb der Jockey auf dem Pferd von Kräften mitgerissen wird und sich bei seinem Rennen in ein unbekanntes Schicksal begibt.

#2 Goldmaske des Agamemnon

Goldmaske des Agamemnon
Marco Del Torchio 95, CC0, via Wikimedia Commons

Die „Goldmaske des Agamemnon“ wurde von dem Archäologen Heinrich Schliemann entdeckt. Schliemann war, inspiriert durch Homers Dichtungen, davon besessen, Spuren der Ilias und Odyssee zu finden. Er führte 1876 Ausgrabungen in Mykene auf dem Peloponnes durch, wo er in einigen Gräbern Goldmasken entdeckte, die die Gesichter Verstorbener bedeckten.

Das berühmteste dieser Objekte ist die Goldmaske des Agamemnon, welches sich durch genaue Details von, Bart, Schnurrbart und Augenbrauen auszeichnet. Die Maske selbst verleiht durch ihre glatte Oberfläche dem „Porträt“ eine strenge Souveränität. Schliemann glaubte, er habe das Grab des Königs Agamemnon gebunden, welcher einer der Hauptdarsteller des Heldenepos Homers war. Untersuchungen ergaben jedoch, dass die Maske wesentlich älter ist.

#3 Poseidon vom Kap Artemision

Poseidon vom Kap Artemision
Zde, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Zwischen 1926 und 1928 entdeckten Fischer beim Kap Artemision ein antikes Schiffswrack, in dem sich zunächst der Arm einer Statue aus Bronze befand. Kurze Zeit später wurde die gesamte Statue gefunden. Es handelte sich um ein Monument aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, die sich in einem sehr guten Zustand befand. Mit seiner Größe von 2,09 Metern zählt es zu den Meisterwerken der Frühklassik.

Die Statue ist eine monumentale Figur, die einen bärtigen, nackten Mann darstellt. Beeindruckend ist das Motiv mit dem nach vorne ausgestreckten linken Arm und der nach hinten ausholenden rechten Hand. Hinzu kommt das Schrittmotiv der Statue mit seinem gebeugten linken Bein und dem zurücksetzenden rechten Bein.

#4 Die Fresken von Akrotiri

Die Fresken von Akrotiri
Zde, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Fresken von Akrotiri symbolisieren die Kultur prähistorischer Zeit und zeigen verschiedene Alltagsszenen, wie Ackerbau, Schifffahrt und sportliche oder kultische Handlungen. Im Archäologischen Museum Athens wurden viele dieser Fresken restauriert und ausgestellt. Hier befinden sich das „Frühlingsfresko“ und das „Haus der Frauen“. Eine Darstellung der Flussminiatur „Eine Wildkatze jagt eine Ente“ aus dem Westhaus rundet die Ausstellung der Fresken ab.

#5 Der Mechanismus von Antikythera

Mein persönliches Highlight! Der Mechanismus von Antikythera wurde 1900 zusammen mit anderen Funden in einem Wrack vor der Insel Antikythera entdeckt. Die Entdeckung stellte eine Sensation dar, weil ein solches anspruchsvolles Gerät einschließlich seiner Technik bislang nicht aus der Antike bekannt war. Der Mechanismus wurde als Klumpen korrodierter Metallteile geborgen, von denen viele Teile bereits verloren gingen oder abgefallen waren.

Der Mechanismus von Antikythera
Grb16, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Schon gleich nach seiner Entdeckung wurde festgestellt, dass es sich um ein astronomisches Rechengerät handelt. Röntgenaufnahmen der Fragmente zeigten, dass sich das Räderwerk in einem flachen Holzkasten befunden haben muss.

Die Räder wurden von einer an der Seite befindlichen Kurbel in Bewegung gesetzt und steuerten mehrere Zeiger auf beiden Seiten des Apparates an. Eine Rekonstruktion des unvollständig erhaltenen Mechanismus ergab, dass dieser als Modell für die Bewegungen von Sonne und Mond dient.

Der Mechanismus von Antikythera
I, Mogi, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Darstellung erfolgt mittels Anzeigen auf runden Skalen, die durch eine Einstellhilfe synchron verändert werden können. Die Einstellungen bestehen aus einem Sonnenkalender mit Tages- und Monatsskala der ägyptischen Monatsnamen, babylonischen Tierkreiszeichen, einem Mondkalender mit Monatsskala der korinthischen Monatsnamen. Hinzu kommen ein Finsterniskalender, der vergangene und zukünftige Sonnen- und Mondfinsternisse anzeigt und ein Olympiade-Kalender.

Das schöne Café des Museums

Archäologisches Nationalmuseum Athen
Jean Housen, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Archäologisches Nationalmuseum Athen
Giovanni Dall’Orto., Attribution, via Wikimedia Commons

Nach einem Museumsbesuch ist es immer schön, etwas essen oder trinken zu können, insbesondere wenn die Umgebung auch noch schön ist, wie hier im Archäologischen Nationalmuseum. 

Der Museumscafé liegt im schönen Innenhof. Umgeben von Bäumen und Kunstwerken könnt ihr hier ein bisschen was knabbern und die ruhige und entspannte Atmosphäre genießen. 

Man hat übrigens auch Zugang zum Café, auch wenn man nicht das Museum besichtigt.

Adresse und Anfahrt

Die Adresse des Museums lautet: „Oktovriou Patission 44, 10433 Athen“.

Die Anreise erfolgt mit der Metrolinie 1 über die Haltestellen „Omonia“ oder „Victoria“. 

Erreichbar ist es auch mit den Buslinien Β 5, Α 6, Β 6, Ε 6, Α 7, Β 7, Ε 7, Α 8, Β 8, Α 12, Β 12, Γ 12, Ε 12, 022, 035, 046, 060, 200, 224, 605, 608 und 622. 

Ebenso kann die Anreise mit den Trolleybuslinien 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 11, 13 und 14 erfolgen.

Am Museum befinden sich keine Parkplätze. Jedoch bestehen in der Nähe private Parkmöglichkeiten.

Eintrittspreise

Die Eintrittspreise für das Archäologische Nationalmuseum betragen in der Zeit von November – März 6 € und von April – Oktober 12 €. 

Besucher über 65 aus der EU bekommen in den Sommermonaten (April bis Oktober) eine Ermäßigung von 50%. Im Winter gilt der normale Tarif.

Zudem kann ein 3-Tages-Ticket für das Archäologisches Nationalmuseum, das Epigraphisches Museum, das Numismatisches Museum sowie das Byzantinische und Christliche Museum für 15 € beziehungsweise ermäßigt für 8 € erworben werden.

Kostenloser Eintritt in das Archäologische Nationalmuseum in Athen

Für bestimmte Personengruppen und an bestimmten Tagen ist der Eintritt in das Museum frei.

Folgende Personengruppen können das Museum kostenlos besichtigen:

  • Besucher bis einschließlich 25 Jahre, die eine EU-Staatsbürgerschaft besitzen.
  • Kinder bis einschließlich 5, aus allen Ländern.
  • Personen mit einer Behinderung (80% oder mehr). Eine Begleitperson darf in diesem Fall ebenfalls kostenfrei das Museum besichtigen.

Der Eintritt ist für alle Besucher an den folgenden Tagen umsonst:

  • 6. März (Gedenktag Melina Mercouri)
  • 18. April  (Internationaler Denkmaltag)
  • 18. Mai (Internationaler Museumstag)
  • Am letzten Septemberwochenende (Europäische Tage des offenen Denkmals)
  • 28. Oktober (Griechischer Feiertag)
  • Jeden ersten Sonntag im Monat zwischen November und Ende März

Öffnungszeiten

Das Museum ist in der Zeit vom 1. November und 31. März dienstags von 13:00 bis 20:00 Uhr sowie mittwochs bis montags von 8:30 bis 16:00 Uhr geöffnet.

Die Öffnungszeiten ändern sich in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober auf dienstags zwischen 13:00 und 20:00 Uhr und mittwochs bis montags auf 8:00 bis 20:00 Uhr. 

Am 25. und 26. Dezember, 1. Januar, 25. März, am 1. Mai und dem orthodoxen Ostersonntag ist das Museum für Besucher geschlossen.

Personen mit Behinderung & Rollstuhl

Personen mit Behinderung können einen speziellen Eingang in der Straße Vas. Herakleiou nutzen. Zugang direkt über die Straße Vas. Herakleiou oder von der Front bzw. der Fassade des Museum über eine Rampe.

Alle drei Stockwerke des Museums sind über Aufzüge erreichbar. Im Erdgeschoss befindet sich außerdem ein behindertengerechtes W.C.

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2 Kommentare

    • Hallo Thomas,
      im Akropolis-Museumist fotografieren erlaubt! In einigen Bereichen darf man keinen Blitz nutzen, entsprechenden Hinweisschilder sind vorhanden 🙂
      VG, Roman

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